12.06.2026
Q1 der Gesamtschule Norf simuliert EU-Gipfel
zur Migrationspolitik im Kreishaus Neuss
Am 10. Juni 2026 besuchte der Sozialwissenschaften-Grundkurs der Q1 der Gesamtschule Norf das Kreishaus Neuss, um dort am Planspiel „SOS Europa. Asyl- und Flüchtlingspolitik in der EU“ teilzunehmen. Durchgeführt wurde das Angebot von der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit dem Regionalen Bildungsnetzwerk Rhein-Kreis Neuss.
Durch den schnellen und unkomplizierten Kontakt mit Christian Höhn vom Regionalen Bildungsnetzwerk konnte die Vermittlung des Planspiels problemlos erfolgen. So konnte das Planspiel erstmals in dieser Region durchgeführt werden und bot den Schüler*innen die Möglichkeit, europäische Politik nicht nur theoretisch zu behandeln, sondern selbst aktiv zu erleben.
Zu Beginn der Veranstaltung wurden die Schüler*innen durch die Trainer Celina Solano und Ugur Ince inhaltlich auf das Thema vorbereitet. In einem Theorieteil wurden zentrale Grundlagen der europäischen Migrations- und Asylpolitik wiederholt und vertieft. Dabei ging es unter anderem um Fluchtursachen, europäische Zuständigkeiten, die Rolle der EU-Institutionen sowie um Fragen der Solidarität und Verantwortung innerhalb der Europäischen Union.
Im Mittelpunkt des Tages stand anschließend die Simulation eines Gipfeltreffens des Europäischen Rates. Jede Schülerin und jeder Schüler übernahm eine eigene Rolle: als Regierungschefin eines EU-Mitgliedstaates, als Präsident des Europäischen Rates, als Präsidentin der Europäischen Kommission oder als Vertreterin der Presse. Für alle Rollen standen detailliert aufbereitete Materialien zur Verfügung, sodass die Teilnehmenden ihre jeweilige Position möglichst realitätsnah vertreten konnten.
Während des simulierten Gipfeltreffens durchliefen die Schüler*innen verschiedene Phasen politischer Entscheidungsfindung. Dazu gehörten Eröffnungsstatements in einer „Tour de Table“, Presseinformationen, formelle und informelle Diskussionsrunden, die Erarbeitung möglicher Lösungsansätze, Abstimmungen sowie die abschließende Darstellung der Ergebnisse. Dabei wurde schnell deutlich, wie schwierig es ist, unterschiedliche nationale Interessen, humanitäre Verantwortung und europäische Handlungsfähigkeit miteinander zu verbinden.
Besonders lebendig wurde das Planspiel durch die Arbeit der Pressegruppen. Diese begleiteten die Verhandlungen kritisch, formulierten zugespitzte Schlagzeilen und spiegelten die Dynamik politischer Kommunikation wider. Auch in den Verhandlungsgruppen entwickelten die Schüler*innen eigene Lösungsvorschläge, etwa zu Fragen einer gerechteren Verteilung von Schutzsuchenden, zur Stärkung gemeinsamer europäischer Strukturen oder zur Zusammenarbeit mit Herkunfts- und Transitstaaten.
Am Ende der Simulation konnte sich der Europäische Rat immerhin auf drei neue Richtlinien einigen, die einstimmig angenommen wurden. Diese wurden in einer Abschlusserklärung durch den Präsidenten des Europäischen Rates vorgestellt. Gerade die Notwendigkeit einstimmiger Beschlüsse machte den Schüler*innen deutlich, wie anspruchsvoll Kompromissfindung auf europäischer Ebene sein kann.
In der abschließenden emotionalen und inhaltlichen Auswertungsrunde zeigte sich, dass die Erwartungen der Schüler*innen an den Tag erfüllt wurden. Auf den Feedbackplakaten nannten sie unter anderem „Spaß“, „interessante Themen“, „viel Austausch“, „konstruktive Diskussionen“, „mehr Wissen“, „Respekt“ und „soziales Miteinander“ als zentrale Eindrücke. Gleichzeitig wurde deutlich, dass das Planspiel nicht nur Wissen vermittelte, sondern auch Perspektivwechsel ermöglichte und politische Entscheidungsprozesse erfahrbar machte.
Der Ausflug ins Kreishaus Neuss zeigte eindrucksvoll, wie gewinnbringend handlungsorientierte politische Bildung sein kann. Durch die Rollenübernahme, die intensive Auseinandersetzung mit kontroversen Positionen und die gemeinsame Suche nach Lösungen konnten die Schüler*innen europäische Politik unmittelbar erleben. Neben vertieftem Fachwissen nahmen sie vor allem die Erfahrung mit, dass Demokratie, Kompromissbereitschaft und europäische Zusammenarbeit anspruchsvoll, aber unverzichtbar sind.











