01.10.2026
Mission Stratosphäre:
Gesamtschule Norf schickt Forschungsballon Richtung Weltraum
3… 2… 1… Start! Am Samstag, den 26. September 2026, wurde es beim MINT-Schulfest der Gesamtschule Norf ernst: Um 13:30 Uhr hob unser Stratosphärenballon ab – und machte sich vor den Augen zahlreicher Besucherinnen und Besucher auf den Weg in Richtung Weltraum.
Was am Boden noch wie ein vergleichsweise harmloser Wetterballon aussah, sollte innerhalb kurzer Zeit Regionen erreichen, die normalerweise weit außerhalb unseres Alltags liegen. Die vorausberechnete maximale Flughöhe lag bei unglaublichen 36.000 Metern – 36 Kilometern über der Erde.
Zum Vergleich: Verkehrsflugzeuge bewegen sich meist in rund zehn bis zwölf Kilometern Höhe. Unser Ballon sollte also etwa dreimal so hoch steigen – hinein in die Stratosphäre, dorthin, wo der Himmel zunehmend schwarz erscheint und die Krümmung der Erde sichtbar werden kann.
Dann plötzlich: Funkstille
Zunächst ließ sich der Flug mithilfe des GPS-Senders verfolgen. Doch gegen 13:50 Uhr, gerade einmal zwanzig Minuten nach dem Start, brach das GPS-Signal ab.
Was im ersten Moment dramatisch klingt, war für das Missionsteam keineswegs automatisch eine schlechte Nachricht – ganz im Gegenteil: Mit zunehmender Höhe kann die Mobilfunkverbindung des Trackers abbrechen. Die Funkstille war damit ein durchaus erwartbares Zeichen dafür, dass sich unser Ballon weiter auf seinem Weg nach oben befand.
Während am Boden also kein aktueller Standort mehr angezeigt wurde, setzte die Sonde ihren Flug fort – durch immer dünnere Luft, bei extrem niedrigen Temperaturen und mit einem Ziel weit oberhalb der normalen Flughöhe von Passagiermaschinen.
17:48 Uhr – die Sonde ist wieder da
Dann, Stunden später, die erlösende Nachricht:
Die Sonde war gefunden.
Um 17:48 Uhr konnte sie im Sauerland geborgen werden – und das sogar relativ nah am zuvor berechneten Landepunkt. Flugbahn und Vorhersage hatten also erstaunlich gut zusammengepasst.
Doch bei der Bergung wartete gleich das nächste Rätsel auf das Team:
Vom Fallschirm fehlte jede Spur.
Die Sonde war da. Die Technik war da. Aber der Fallschirm? Verschwunden.
Und genau damit beginnt nun möglicherweise eine kleine wissenschaftliche Detektivgeschichte.
Wann verschwand der Fallschirm?
Unser Datenlogger hat nämlich deutlich mehr aufgezeichnet als nur Temperatur und Luftdruck. Während des Fluges wurden unter anderem erfasst:
- GPS-Position mit Längen- und Breitengrad
- Geschwindigkeit über Grund
- Aufstiegs- und Sinkgeschwindigkeit
- Flughöhe
- Temperatur
- Luftdruck
- Luftfeuchtigkeit
Damit lässt sich der Flug im Nachhinein sehr genau rekonstruieren.
Besonders spannend wird dabei die Sinkgeschwindigkeit. Sollte sich der Fallschirm tatsächlich schon während des Abstiegs gelöst haben, müsste sich das eigentlich in den Messdaten bemerkbar machen: Die Sonde wäre dann voraussichtlich deutlich schneller gefallen als mit den für den Abstieg erwarteten rund 5 Metern pro Sekunde.
Doch genau hier wird es rätselhaft.
Denn der tatsächlich gefundene Landeort liegt erstaunlich nah am vorausberechneten Landepunkt. Hätte die Sonde einen großen Teil ihres Abstiegs ohne Fallschirm zurückgelegt, wäre eigentlich auch eine deutlich veränderte Flugbahn denkbar.
Hat sich der Fallschirm also erst sehr spät gelöst? Ist er bei der Landung abgerissen? Oder erzählen uns die Daten am Ende eine ganz andere Geschichte?
Die Auswertung wird es hoffentlich zeigen.
Und wie klingt eigentlich die Stratosphäre?
Damit nicht genug: In diesem Jahr waren erstmals auch Mikrofone mit an Bord.
Neben den klassischen Messwerten können wir also möglicherweise auch hören, was während des Fluges passiert ist.
Wie verändert sich die Geräuschkulisse während des Aufstiegs? Was ist in großer Höhe überhaupt noch zu hören? Lässt sich vielleicht sogar der Moment erkennen, in dem der Ballon platzt? Oder gibt es am Ende sogar einen akustischen Hinweis darauf, was mit unserem Fallschirm passiert ist?
Wir werden jedenfalls sehr genau – und sehr gespannt – hinhören.
Nach dem Flug ist vor der Forschung
Der Stratosphärenflug war weit mehr als nur ein spektakulärer Programmpunkt unseres MINT-Schulfestes. Er machte Naturwissenschaft und Technik unmittelbar erlebbar: Flugbahnberechnung, Luftdruck, Temperatur, Auftrieb, GPS-Technik und die Bedingungen der Erdatmosphäre wurden plötzlich nicht mehr nur Unterrichtsstoff – sondern Teil einer echten Mission.
Und mit der Bergung der Sonde ist diese Mission noch lange nicht beendet.
Jetzt beginnt die Auswertung.
Jetzt werden Messwerte verglichen, Flugbahnen rekonstruiert und Hypothesen überprüft.
Und vielleicht lösen wir dabei sogar noch das Mysterium des verschwundenen Fallschirms.
Genau das ist der Gedanke hinter MINT an der Gesamtschule Norf:
nicht nur über Wissenschaft sprechen, sondern sie selbst erleben.
Am 26. September hieß es deshalb für unsere Schule nicht nur:
„Let’s fly high!“ Sondern ganz wörtlich: Norf hebt ab.






